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Review: Die perfekte Einsteiger Mittelformat TLR – Gebaut für die Ewigkeit. Ein Rolleicord Va Test

 

 

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Rollei Rolleicord Va Type II Franke & Heidecke

 

 

Die Sonne blitzt gerade so über den Horizont. Zarter Nebel und Frühtau bedeckt die Wiesen. Vor uns ein massiver Grabstein in perfektem Morgenlicht. Die Aufschrift zeigt die Daten: *1.2.1920 - † 31.6.2009. 89 Jahre alt, ein langes und bewegtes Leben. Wer denn im Grab liegt, fragen Sie? Nun, die Grabsteingravur erinnert an keine Person, sondern an eine Firma: Werkstatt für Feinmechanik und Optik, Franke & Heidecke aus Braunschweig – die Entwickler der Rolleicord* und Rolleiflex* Kameras.

 

 

Rollei Rolleicord Va Type II Franke & Heidecke

 

 

Während in der Fotografie der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts Balgen- und Boxkameras gang und gäbe waren, entwickelte man in Deutschland neue Ideen, wie denn die Zukunft der Fotokamera aussehen könnte. Drüben in Wetzlar versuchte man es mit Miniaturisierung und sogenanntem 35mm Film. Verrückte Idee! In Braunschweig blieb man lieber beim Format 6x6cm.

 

Ergebnis der Entwicklung von Franke & Heidecke war eine Kamera, die nicht ein, sondern gleich zwei Objektive aufwies. Die sogenannte TLR-Kamera (Twin Lens Reflex Kamera) oder zweiäugige Spiegelreflexkamera.

 

 

Rollei Rolleicord Va Type II Franke & Heidecke

 

Hätte es die Wörter Marketing und Prosumer damals schon gegeben, so wäre die Marketingabteilung die Rolleicord* als typische Prosumer-Kamera angepriesen. Aber auch ohne diese tollen Buzzwords wurde die Kamera zum Erfolgsschlager. Verhältnismäßig leicht kam sie daher, dennoch sehr robust gebaut. So lief 1933 die erste Rolleicord*, die sogenannte Rolleicord I, oder auch Art-Deco Rolleicord genannt, vom Band. (Übrigens ein absoluter Hingucker für die Vitrine) Franke & Heidecke bezeichneten die verschiedenen Rolleicordmodelle durchweg mit römischen Buchstaben – von I bis V(b).

 

1957 kam die fünfte Modellversion der Rolleicord auf den Markt. Die Rolleicord V, später in Abgrenzung zu der überarbeiteten Vb* Version auch als Va* bezeichnet. Die Ausstattung der Rolleicord könnte man als Reduktion auf das Wesentliche bezeichnen. Es ist alles vorhanden, was man für gute Fotos braucht und nicht mehr. Keine Ablenkung durch Funktionen, die man nur 1x im Leben braucht (falls überhaupt). Nichts stört bei der Komposition toller Fotos. Der Blick aufs Wesentliche bleibt.

 

 

 

Rollei Rolleicord Va Type II Franke & Heidecke

 

 

Die Kamera bietet TLR-typisch 2 Objektive, ein Aufnahmeobjektiv und ein Sucherobjektiv. Das Sucherobjektiv der Rolleicord Va ist ein Heidosmat 1:3,2 75mm. Durch dieses Objektiv schaut man durch, wenn man einen Blick in den Sucher wirft.

 

Das zweite Objektiv, durch welches der Film belichtet wird, ist ein Schneider-Kreuznach Xenar 1:3,5 75mm Objektiv. Es besticht durch eine exzellente Abbildungsleistung, insbesondere wenn man es ein wenig abblendet. Aber auch offenblendig ist es immer noch sehr gut. Dazu kommt, dass Franke & Heidecke die Streulichtempfindlichkeit im Innern der Rolleicord ab dem Modell Va* stark verbessert hatten. Daher lohnt es sich eines der Modelle Va* oder Vb* zu kaufen.

 

 

 Weitere Ausstattungselemente sind:

 

  • einhändig bedienbarer Lichtschacht mit ausklappbarer Lupe (2,5x Vergrößerung)

  • Lichtschachtsucher mit automatischer Parallaxenkorrektur

  • Schneider-Kreuznach Xenar 1:3,5 75mm (4 Elemente, einfach vergütet)

  • Synchro-Compur Verschluss (1s bis 1/500s)

  • Selbstauslöser (10s Verzögerung, Hebel auf V Stellung)

  • Vorbereitung für Kabelauslöser

  • Schutzschalter gegen Doppelbelichtungen

  • Anschluss für Blitz mit Blitzsynchronisation

  • Transportknopf mit selbsttätiger Filmsperre

  • Lichtwerteinstellung (Rolleicord Va: von oben gesehen rechts)

  • Zeit-/Blendeneinstellung (Rolleicord Va: von oben gesehen links)

  • Fokussierrad mit Entfernungseinstellung und Schärfentiefeskala

  • einstellbare Merkhilfe für die ASA/DIN Zahl des eingelegten Filmes

  • automatisches Bildzählwerk

  • Lichtwerttabelle zur Orientierung

  • Bajonett 1 Aufnahme an beiden Objektiven (für Streulichtblende / Filter etc.)

  • Abmessungen: (HxBxT) 14cm x 9,9cm x 10cm (12cm mit aufgesetzter Streulichtblende)

  • Gewicht: 875g

 

 

 

Hält man die Kamera in der Hand fällt sofort der größte Pluspunkt auf, die Wertigkeit und Haptik bei der Bedienung. Die Rolleicord* lässt sich auch sehr gut einfach nur in der Hand halten. Robust aber dennoch geschmeidig, wie ein wohl restaurierter Oldtimer. Kein Plastikgeklapper, kein Quietschen oder Knacken. Einfach solide gebaute Kameratechnik aus Deutschland. Man muss es selbst spüren, um die Faszination zu verstehen.

 

Ebenso die Aufnahme eines Fotos. Sanft gleitet die Front beim Fokussieren vor und zurück. Leicht lässt sich der Auslöser spannen. Leise und elegant löst die Kamera aus. Das Fehlen eines Belichtungsmessers fällt nicht auf. Die Lichtwerttabelle ist dafür eine zu große Hilfe, wer das gute alte Sunny 16 beherrscht hat sowieso keine Probleme. Natürlich kann man einen externen Belichtungsmesser mitnehmen, oder eine App nutzen, aber braucht man das wirklich? Ich glaube nicht. Die Kamera entschleunigt das Fotografieren auf eine wundervolle Art und Weise. Das Foto ist wird somit zu einem noch stärkeren Ausdruck des Akteurs. Keine Automatik bestimmt über das Bild, sondern nur der Fotograf.

 

 

Rollei Rolleicord Va Type II Franke & Heidecke

 

 

Totgesagt leben länger, so sagt man. Die Werkstatt für Feinmechanik und Optik, Franke & Heidecke gibt es zwar in der ursprünglichen Form nicht mehr, aber die Produkte der Firma leben weiter. Zu gut sind sie verarbeitet und zu präzise arbeiten sie, als dass man sie schon zum alten Eisen geben müsste. So geht die Sonne zwar hinter dem Grabstein der Firma auf, jedoch wird es hoffentlich noch Jahrzehnte dauern, bis die Rolleicords und Rolleiflexes begraben werden.

 

Eine Rolleicord Va* in gutem, überholtem Zustand sollte bei eBay so zwischen 150€ und 200€ kosten, je nach mitgeliefertem Zubehör. Damit spielt sie Preis/Leistungsmäßig ganz oben mit!

 

 

 

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