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Review Leica M6 – Die Krönung eines jeden Analogfotografen? Ein Leica M6 Test und Erfahrungsbericht

 

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Kauf dir eine Leica M6*, damit sind alle Wünsche erfüllt. Und für den aktuellen gebraucht Preis ist es geradezu ein Schnäppchen. So liest man immer wieder auf den einschlägigen Seiten oder in Foren. Aber kann die Kamera, die so viele Vorschusslorbeeren wie kaum eine Andere erhält auch wirklich überzeugen? Immerhin ist es ein Schnäppchen für über 1000€ . Soll ich mein Geld nicht besser anderweitig investieren oder gleich auf die hohe Kante legen? Aber irgendetwas muss ja dran sein. Woher kommt denn dann der Leica-Mythos? Wenn schon Größen wie Henri Cartier-Bresson auf eine Leica schwörten, dann kann die Leica M6* ja so schlecht nicht sein. Lies dazu meinen kleinen Erfahrungsbericht bzw. mein Review.

 

 

 

Wir schreiben das Jahr 1954. Die Ernst Leitz GmbH bringt eine neue Kamera auf den Markt, die, so wissen wir heute, Geschichte schreiben soll und nicht weniger als eine Ikone des Kamerabaus werden wird. Aber auch bei Leitz steht die Entwicklung nicht still und es folgten, neben etlichen Sonderausgaben der diversen Kameras, die Modelle M2*, M4* und M5*. Waren die diversen Variationen der M2* und M4* jeweils Evolutionen der M3*, traute sich Leica 1971 mit der berühmt-berüchtigten Leica M5* auf den Markt zu kommen. Leica überraschte mit einem Design, das vom althergebrachten Bauhaus-inspirierten Äußeren der vorherigen M-Kameras abwich.

 

 

 

 

 

 

Es stellte sich aber schon bald heraus, dass diese Entscheidung nach hinten losging. Die neue M5* war ein Ladenhüter. So stand die Leitz Camera Werke, daher auch der Name LeiCa, unter enormen Druck bei der nächsten Kamera abliefern zu müssen. Diese nächste Kamera sollte dem Namensschema folgen und Leica M6*, da sie 6 Leuchtrahmen im Sucher bot, folgen. 84 war es dann soweit. Die Leica M6* erblickte das Licht der Welt. Und wie kaum anders zu erwarten gewesen war, orientierte sie sich an den Erfolgreichen Ahnen und kehrte zum Bauhausdesign der M3* zurück. Dies sollte sich als richtige Entscheidung entpuppen, nicht umsonst gilt sie heute als eine der klassischen Leica Kameras, die den Mythos der Marke mitbegründeten.

 

 

 

Nun ist Leica nicht der einzige Kamerahersteller auf unserem blauen Planeten und während der 60er und 70er Jahren trieben die Konkurrenten die Entwicklung ihrer Kameras gnadenlos voran. Dass da ein „Flop“, wie die M5*, Leica an den Abgrund der Existenz führte, ist einleuchtend. Schon 1960 stellte Pentax einen Prototyp der Spotmatic vor, die als erste Kamera eine Belichtungsmessung hinter dem Aufnahmeobjektiv bot. Bis in die Mitte der 1980er Jahre wurden immer mehr Funktionen einer Kamera automatisiert. Belichtungsmessung, Blenden- oder Zeitpriorität und schließlich auch einen vollen Automatikmodus boten jetzt alle Hersteller mit ihren Kameras, seit Minolta die XD7* im Jahr 1976 vorgestellt hatte. (Lies mein XD7 Review hier) Eine Leica schien wie aus der Zeit gefallen, boten die rein mechanischen Kameras aus dem hessischen Wetzlar doch keine dieser begehrten Funktionen.

 

 

 

 

 

 

Um das Ganze in Relation zu setzen: Leica verkaufte die M6 ab 1984. Minolta brachte nur ein Jahr später, 1985, mit der Maxxum 7000* die erste Kamera mit Autofokus heraus, vollautomatisiert. Draufdrücken und ein technisch perfektes Foto erhalten. So jedenfalls versprach es die Werbung. Dagegen sehen die technischen Spezifikationen der Leica M6* gerade zu altertümlich aus:

 

 

 

  • Messsucher mit 0.72x Vergrößerung

  • effektive Messbasis 49,9mm (mechanische Messbasis 69,25 x 0,72 Suchervergrößerung) beim 0,85x Sucher → 58,9mm Messbasis, beim 0,58x Sucher → 40,2mm Messbasis

  • mechanisch gesteuerter, horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss

  • Belichtungszeiten von 1/1000s bis 1s + Bulb

  • Einrasten bei vollen Blendenstufen + 1/50s (Blitzsynchronisation)

  • Belichtungszeiten zwischen den Einraststufen wählbar, außer zwischen 1/8s - 1/15s und 1/30s – 1/60s

  • Möglichkeit einen Leica Motor* anzuflanschen

  • Selektive Belichtungsmessung durch das Objektiv bei Arbeitsblende (TTL-Messung)

  • Gemessen wird das von einem auf dem Verschlussvorhang befindlichen Messfleck reflektierten Licht. Der Messfleck hat einen Durchmesser von 12mm in der Mitte des Bildes, was einer Fläche von 23% des Negativformats entspricht. Entspricht ca. 2/3 der kurzen Seite des gewählten Sucherrahmens. Einschalten durch leichten Druck auf Auslöseknopf.

  • Objektivanschluss mit M-Bajonett

  • automatisch eingeblendete Leuchtrahmen in drei 2er-Pärchen (28mm + 90mm), (35mm + 135mm), (50mm + 75mm) + manueller Bildfeldwählhebel

  • Belichtungsanzeige mit 2 Dreiecken zur Anzeige von korrekter Belichtung bzw. Über- oder Unterbelichtung. (M6 TTL*: zusätzlich ein Kreis in der Mitte zur Anzeige der korrekten Belichtung)

  • automatischer Parallaxenausgleich

  • Schnitt- und Mischbildentfernungsmesser in der Mitte des Sucherbildes als helles Feld abgegrenzt.

  • Arbeitsbereich bei ISO 100 von -1 bis 20 EV

  • Filmempfindlichkeitseinstellung ISO 6 bis ISO 6400

  • Stromversorgung: 2x SR44 Knopfzellen (reicht für ca. 130 Filme à 36 Bilder)

  • Blitzschuh mit Mittenkontakt + Elektronenblitzsynchronisation Normkontaktbuchse (gleichzeitig benutzbar)

  • Filmzählwerk von -2 bis 38

  • verbesserte Filmeinspulrolle

  • abgeschrägter Rückspulhebel

  • Auslöseknopf mit genormtem Gewinde für Drahtauslöser

  • Material: 0,8mm Aluminiumdruckguss, Deckkappe: 0,8mm Zinkdruckguss, Bodenplatte: 0,8mm Messing

  • Maße (M6 Classic*): H x B x T: 77mm x 138mm x 38mm

  • Maße (M6 TTL*): H x B x T: 79,5mm x 138mm x 38mm

  • Gewicht: M6 Classic*: 560g  -   M6 TTL*: 600g

 

 

 

 

 

 

Beim Überblick über die technischen Spezifikationen fällt auf, dass die hauptsächliche Verbesserung gegenüber der bereits seit 30 Jahren auf dem Markt befindlichen M3* der Belichtungsmesser ist. Nun könnte man meinen, dass die Entwicklungen auf dem Kameramarkt der letzten Jahre zu einem fortgeschrittenen Belichtungsmesser führt. Der Belichtungsmesser der Leica M6* ist allerdings nur auf das nötigste heruntergebrochen.

 

 

 

Wozu sollte man denn eine solche Kamera kaufen, gerade, wenn sie noch so viel mehr kostet als die Alternativen? Vielleicht ist das Geheimnis des Erfolgs einfach der gelebte Minimalismus. Die Kamera bietet nur die allernötigsten Einstellknöpfe. Alles was über ein ordentliches Rückspulen des Films und die Belichtung via der Blendeneinstellung am Objektiv, Belichtungszeit und Filmempfindlichkeit hinausgeht wird einfach weggelassen. Es ist eine Fokussierung auf das Wesentliche. Denn mehr als diese 3 zur Belichtung notwendigen Einstellungen braucht kein Fotograf. P-, A- oder S-Modus sucht man vergebens. Es gibt keine Automatik, die die Kreativität des Fotografen einschränkt. Für Anfänger scheint dies vielleicht als Hindernis, aber die Lernkurve ist steil und belohnt wird man dadurch, dass man anschließend mit jeder Kamera gute Bilder machen kann.

 

 

 

 

 

 

Der Belichtungsmesser der Leica M6 besteht aus zwei gegeneinander zeigende Dreiecke. Diese werden von LEDs beleuchtet, Hat man nun die korrekte Belichtung eingestellt leuchten beide Dreiecke gleich hell. Ist der Bildausschnitt etwas unterbelichtet, so leuchtet das linke LED etwas heller als das rechte LED. Bei noch weitere Unterbelichtung leuchtet nur noch das linke LED. Bei Überbelichtung verschiebt sich das Ganze auf die rechte Seite. Die Belichtungsmessung der Leica M6 TTL* verfügt zusätzlich über einen kleinen Kreis zwischen den Dreiecken, der leuchtet, wenn die Belichtung korrekt eingestellt ist. Dieser ist jedoch nicht zwingend notwendig. Das System der M6 Classic* funktioniert meines Erachtens nach genau so gut. Einen Unterschied gibt es aber im Zusammenspiel zwischen der Belichtungsmessung und dem Zeitenwahlrad. Denn dadurch, dass das linke Unterbelichtungsdreieck nach rechts zeigt, also mehr Licht fordert, muss man bei der Leica M6* das Zeitenwahlrad nach links drehen um mehr Licht zu bekommen. Dass diese Anordnung unlogisch ist, hat auch Leica verstanden und bei der M6 TTL* das Zeitenwahlrad nicht nur vergrößert, sondern auch die Drehrichtung geändert, sodass diese nun mit der LED-Richtung übereinstimmt.

 

 

 

Die Leica M6* verwöhnt ihren Besitzer außerdem mit ihrer außergewöhnlichen Verarbeitungsqualität. Nichts klapper, nichts wackelt, solide Handwerkskunst. Man muss die Kamera selbst in der Hand gehabt haben, um es zu verstehen. Seit die Kameraindustrie in den 1980er Jahren das Plastik für sich entdeckt hat, wurden keine solchen Kameras mehr hergestellt. Wenn ich eine Kamera in der Wohnung fallen ließe, denke ich nur: „Oh nein, meine [Canon/Nikon/Sony/Fuji/etc.]!“ Wenn ich die Leica fallen ließe: „Oh nein, die Fliesen!“

 

Die Bedienung der Kamera gestaltet sich in gleicher Weise. Der Filmaufzughebel lässt sich butterzart drehen, der Auslöseknopf spricht seidig weich auf den Druck an, und verschwindet in einer sanften Bewegung, es ist kein Halbdurchdrücken nötig. Erfolg durch Einfachheit! Das Zeitenwahlrad läuft ebenso weich mit gut spürbaren Klicks bei jeder vollständigen Blendenstufe. Der Rückspulhebel hat genau den richtigen Widerstand, auch wenn man ihn beim Rückspulen loslässt, dreht er sich durch die Spannung auf dem Film nicht wieder zurück. Sogar der Batteriedeckel ist aus solidem Metall. Alles hat einen Sinn, nichts ist überflüssig.

 

 

 

 

 

 

Die Leica ist eine Kamera, die benutzt werden will. Sie benötigt ihre Batterien lediglich dazu, den Belichtungsmesser zu nutzen. Ansonsten ist sie eine Vollmechanische Kamera. Sollten die Batterien mal leer werden, kann man sie immer noch bei allen Belichtungszeiten nutzen, nicht wie viele Kameras anderer Hersteller, die im besten Fall noch eine mechanische Notbelichtungszeit haben oder komplett auf Strom angewiesen sind. Dies rückt die Kamera näher zu den klassischen Leicas, wie der M3* und weiter weg von ihrer Nachfolgerin, der Leica M7*, die wie viele andere elektronisch gesteuerte Kameras nur zwei Notzeiten rein mechanisch bilden kann.

 

 

 

Worauf sollte man nun beim Kauf einer Leica M6* achten? Auch hier gelten die üblichen Hinweise: Wenn eine Kamera durchgerockt aussieht, dann ist sie es wahrscheinlich auch. Sieht sie noch perfekt aus, ist sie wahrscheinlich auch gut. Aber natürlich kommt es auf die inneren Werte an. Deshalb sollte man die Kamera vor dem Gebrauchtkauf in die Hand nehmen und testen. Werden die Zeiten korrekt abgebildet? Ist das Verschlusstuch noch heil? Ist der Entfernungsmesser verstellt? Wobei eine minimale Verschiebung in der Höhe nicht so dramatisch ist wie eine Abweichung nach links oder rechts, da diese zu Fehlfokussierungen führt. Oftmals finden sich auch Bläschen auf dem Kameradeckel aus Zink, was allerdings nur Problem kosmetischer Natur darstellt. Außerdem sollte der Sucher nicht milchig oder trübe sein.Wichtig ist zudem zu überprüfen ob die Schraube, die auf 12 Uhr Stellung am Gehäuse sitzt, noch den Leica Gummiverschluss trägt. Dadurch ist zu erkennen, ob das Gehäuse bereits geöffnet war oder nicht.

 

 

Anfang 2019 sollte man so 1100€ bis 1700€ für eine gebrauchte Leica M6* einrechnen. Wobei die Kameras mit 0,85x Sucher am oberen Ende der Preisskala liegen. Beim Kauf vom Händler sind die Preise entsprechend etwas höher.

 

 

 

 

 

 

Ein Mythos ist es allerdings, dass jede Leica eine sogenannte CLA benötigt. CLA steht für Clean Lubricate Adjust, also Säubern, Schmieren, Einstellen. Dies kann sinnvoll sein, allerdings sollte, bevor man Geld für eine CLA ausgibt, die Kamera wirklich Probleme machen. Läuft die gebrauchte Kamera, ist auch keine CLA notwendig. Nichtdestoweniger sollte man die Kamera regelmäßig warten lassen, also Geld für eine CLA kann man beim Kauf zumindest schon mal langsam ansparen.

 

 

 

Fazit:

 

Ist die Leica M6* nun ihr Geld wert? Das kommt wohl darauf an, was man sucht. Unbestritten bietet sie die wohl ausgewogenste Mischung aus klassischer und moderner Leica M. Sie ist vollmechanisch und bietet dennoch einen Belichtungsmesser, der trotz der spartanischen Umsetzung gut, einfach und schnell zu bedienen ist. Außerdem bietet sie Zugang zu den wohl besten Objektiven, die auf dem Markt zu haben sind, die zudem noch wesentlich handlicher ausfallen als bei einer Spiegelreflexkamera. Für den Preis bekommt man außerdem eine Eintrittskarte zum exklusiven Club der Leicabesitzer. Aber sie vorgewarnt: Es gibt wohl kein zwiespältigeres Thema als den Sinn oder Unsinn einer Leica. Unbestritten ist jedoch die Qualität, die bis zum heutigen Tag geboten wird. Außerdem kannst du dich trösten, dass die Kamera bei entsprechender Behandlung sehr wahrscheinlich in deine Erbmasse einfließen wird. Ein absolutes Kontrastprodukt zu oft gescholtenen Produkten mit geplanter Obsoleszens.

 

 

 

 

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