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Review: Die einzige Kamera, die ein Fotograf jemals braucht. Ein Minolta XD-7 Test

 

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Minolta XD7 XD11 Rokkor 50mm

 

Wenn man sich dafür begeistert auf Film zu fotografieren, jedoch keine Kamera hat oder von der digitalen Fotografie kommt, stellt sich naturgemäß die Frage, welche Kamera soll ich nehmen? Die üblichen Antworten lauten oftmals Canon AE1-Program*, Pentax K-1000*, Nikon F3*, FE* oder FM*. Kommt man aus der digitalen Welt sind alle drei Hersteller bekannte Namen und vielleicht entscheidet deshalb auch die Neigung zu einer der Hersteller, mit welchem Modell man greift.

 

Allerdings kann man auch anders an die Fragestellung herantreten, nämlich dann, wenn man auf der Prioritätenliste erstklassige Objektive zu günstigen Preisen oben stehen hat. Und dabei taucht immer öfter der Name Minolta auf. Aber auch diese Objektive müssen an eine Kamera montiert werden, bevorzugt an eine möglichst gute. Auftritt Minolta XD-7*.

 

 

 



Minolta XD7 XD11 mit Rokkor 50mm

 

In der Blütezeit analoger Kameras Ende der 70er Jahre, genaugenommen im Jahr 1977 erschien die Minolta XD-7*, die in den USA als XD-11 und in Japan als XD auf den Markt kam. Minolta wagte bei den für ambitionierte Amateure konzeptionierten Kameras mit der XD-7* den Absprung von den klassischen, mechanischen SLRs der SR-T Baureihe. Die Entwicklung ging eindeutig zu elektronisch gesteuerten Kameras. Und auch Minolta konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen.

 

 

Minolta XD7 XD11 mit Rokkor 50mm

 

Schon 1972 machte Olympus mit der OM-1* vor, dass kleinere und leichtere Kameras die Zukunft sind. So speckte auch die XD-7* gegenüber der Minolta SR-T 303b* von 700g auf 560g ab. Dass die Minolta Ingenieure ihr Handwerk verstanden, zeigt sich auch darin, dass die XD-7* die erste Kamera war, die sowohl Blendenautomatik als auch Zeitautomatik bot. Dass damit gleichzeitig die erste Programmautomatik erfunden wurde, war Minolta wohl nicht bewusst gewesen, sonst hätte das Marketing dies sicherlich nur zu gerne ausgenutzt. Denn stellt man kleinste Blende, Modus S und die Verschlusszeit 1/125s ein, so nutzt die XD-7* die 1/125er Zeit und regelt Blende und Zeit automatisch nach, je nachdem wie sich die Lichtverhältnisse ändern. Die Blende wird dabei zwischen dem kleinsten möglichen (z. B. f/ 1.4) und größtem eingestellten Wert (z. B. f/ 16) gewählt. Interessanterweise lässt sich so auch der Blendenbereich eingrenzen, wenn man beispielsweise Blende 8 vorwählt. Dann wählt die Automatik eine Blende zwischen z. B. 1.4 und 8, und passt die Zeiten entsprechend an, wenn es dunkler oder heller ist. Aber natürlich lässt sich die Kamera auch komfortabel in den üblichen Modi M, S und A nutzen.

 

 

Minolta XD7 XD11 Detail Wahlrad Nahaufnahme

 

Aber nicht nur Freunde der automatischen Belichtung werden durch die Kamera angesprochen, sondern auch Anhänger des traditionellen Kamerabaus. Die Minolta XD-7* bietet im Gegensatz zu ihrer Nachfolgerin, der X-700*, ein komplettes Metallgehäuse sowie die Möglichkeit rein mechanisch, ohne Batterie betrieben zu werden. Dabei stellt man das Zeitenwahlrad auf „O“ und hat somit eine rein mechanische Verschlusszeit von 1/100s. Auch die Blitzsynchronisationszeit ist 1/100s, die X-700* bietet hier nur noch 1/60s.

 

 

Minolta XD7 XD11 Detail ASA Wahlrad Nahaufnahme

 

Ansonsten bietet die Kamera eine für damalige Zeiten typische Ausstattung an:

 

 

- Mittenbetonte TTL-Belichtungsmessung von EV 1 - EV18

 

- ISO-Einstellung von 12 – 3200 + Belichtungskorrektur von -2 bis +2

 

- Verschlusszeiten von 1/1000s 1s und Bulb mit einer mechanischen Notzeit von 1/100s (Gerüchten zu Folge beherrscht die Kamera im Automatikmodus auch 1/2000s, wobei dies offiziell nicht bestätigt ist und ich dazu mangels Messapparatur nichts sagen kann)

 

- Möglichkeit einen Motorwinder anzubringen

 

- Stromversorgung durch 2x 1,5V SR44 oder LR44 Batterien, die auch heute noch problemlos zu kaufen sind

 

- Verschluss für den Sucher, um einfallendes Licht zu verhindern

 

- Selbstauslöser, variabel einstellbar bis ca. 10s

 

- einfache Möglichkeit zur Mehrfachbelichtung über den Rückspulknopf

 

 

 

Ein besonderes Herausstellungsmerkmal der Kamera liegt in der Zusammenarbeit von Minolta und Leica begründet. Durch Technologieaustausch mit der deutschen Traditionsmarke profitierte Minolta vom sehr leisen, zuverlässigen und vertikal ablaufenden Metallverschluss, der von Copal entwickelt wurde. Der Nachfolger, die X-700*, bot hier lediglich einen horizontal ablaufenden Tuchschlitzverschluss, der auch etwas lauter agiert.

 

 



Minolta XD7 XD11 Detail Nahaufnahme Front

 

Das für meine Begriffe, im wahrsten Sinne des Wortes, leuchtendste Merkmal der XD-7* stellt jedoch der Sucher dar. Er bietet in dieser Form wohl einen der besten Durchblicke, die man durch eine SLR haben kann. Es ist ein Aha-Erlebnis, wenn man die Größe und Helligkeit zum ersten mal sieht, kein Vergleich zu heutigen DSLRs. Der Sucher der XD-7* bietet bei einer 94% Abdeckung eine Vergrößerung von 0,87x. Nikons Profimodelle D5 (digital) bzw. F6 (analog) bieten bei 100% Abdeckung lediglich eine Vergrößerung von 0,72x bzw. 0,74x! Das ist schon ein Statement. Nimmt man nun die von Minolta genutzten Acute-Matte-Mattscheiben hinzu, die heller waren, als Alles was die Konkurrenz bot und auch heute noch ein gefragtes Zubehörteil für z. B. analoge Hasselblads sind, dann kann man erahnen, warum die XD-7* so beliebt ist.

 

Aber nicht nur Größe und Helligkeit machen den Sucher so beliebt, auch seine aufgeräumt Informationsvielfalt lässt die Herzen eines Fotografen höher schlagen. So wird im M-Modus am unteren Rand die eingestellte Blende und Zeit angezeigt. Rechts signalisiert ein rotes LED die vom Belichtungsmesser vorgeschlagene Zeit für die gewählte Blende. So lassen sich die wichtigsten Parameter ablesen, ohne das Auge vom Sucher nehmen zu müssen. Nutzt man die Automatikmodi, passen sich die angezeigten Parameter automatisch an, so wechselt die LED Anzeige am rechten Rand im S-Modus von den Zeiten hin zu den Blendenzahlen. Dies vereinfacht das tägliche Fotografieren mit der Kamera erheblich.

 

 

 

Nimmt man die Kamera in die Hand fällt sofort die weiche Belederung auf, die (zum Glück) nichts mit den heute gängigen Plastikverkleidungen gemein hat. Alles ist da wo man es gerne hätte, es gibt keinen unnötigen Schnick-Schnack. Das Leder schmeichelt der Hand, wenn man die Kamera zum Auge führt und der Blick durch den schaufenstergroßen Sucher fällt. Wenn man das Motiv fest im Blick hat, auslöst und ein sanftes Klick einen Sekundenbruchteil auf Film bannt, weiß man wieder, warum man sich die Fotografie als Hobby ausgesucht hat.  Minoltas wahrscheinlich beste SLR*  stellt eine Reduzierung aufs Wesentliche dar. Es ist die passende Kamera für die ebenso exzellenten Rokkor-Objektive.

 

 

Minolta XD7 XD11 Detail  Nahaufnahme Front

 

Der geneigte Gebrauchtkäufer sollte beim Kauf einer XD-7* ein paar Dinge beachten. Die Kamera ist im Allgemeinen als sehr robust und langlebig einzustufen. Dennoch gibt es nichts was perfekt ist und auch die XD-7* hat so ihre Krankheiten, mit denen man aber gut leben kann. Die erste Version der Kamera hatte die Belichtungskorrektur noch am äußeren Rand des ASA-Wahlrades, sodass es manchmal vorkam, dass man mit dem Hebel an etwas hängen blieb. Des Weiteren besaß diese Version auch noch einen Lederbezug, der nach etlichen Jahren dazu neigte zusammenzuschrumpfen. Beides wurde von Minolta während der Herstellungszeit behoben. Die zweite Version der Kamera erkennt man dadurch, dass nun die 1/125s auf dem Zeitenwahlrad grün eingefärbt ist und der Belichtungskorrekturhebel nach innen zeigt statt nach außen.

 

Ein Gebrauchtkäufer sollte auch darauf achten, dass die Kamera manchmal dazu neigt Rostpickel zu entwickeln, die jedoch lediglich optisch stören. Der Sammler wird dies gewiss meiden wollen, während meine Kamera einen solchen Rostpickel aufwies, beim täglichen Fotografieren jedoch nicht stört.

 

Funktionell einschränkend sind jedoch die Spiegeldämpfer, die dazu neigen zu verkleben bzw. verharzen. Dies zieht eine Auslöseverzögerung nach sich, die mal länger mal kürzer sein kann. Die gute Nachricht ist, dass man dies ohne große Kenntnisse selbst beheben kann. Auch bei meiner Kamera war dies der Fall. Nach kurzer Reinigung und Schmierung des Dämpfers funktioniert die XD-7* wieder wie am ersten Tag.

 

 

Minolta XD7 XD11 Detail Front Nahaufnahme

 

Für einen gebrauchte XD-7* muss man je nachdem 80-130€ einplanen, die schwarze Version erzielt dabei etwas höhere Preise als die silberne Version. Die XD-7* ist jedoch jeden Cent wert, und eine würdige Kamera, um die erstklassigen Rokkor-Objektive aufzunehmen. Zwar gibt es Minolta im Gegensatz zu Canon, Nikon oder Pentax heute nicht mehr, dennoch erschien Ende der 70er Jahre eine Kamera, die auch heute noch den ein oder anderen modernen Fotoapparat in den Schatten zu stellen vermag.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    zonebattler (Montag, 31 Dezember 2018 16:40)

    Zur Kamera dieses Jahrgangs gehört aber eigentlich noch die epochal passende Verschlußkappe mit dem alten "minolta"-Schriftzug! ;-)

    Ich hab' an meinem Exemplar überdies noch hinten die originale Okularmuschel dran und unten den Auto-Winder D, siehe

    https://www.my-minolta-museum.info/xd-7/

    Beide Zubehörteile machen die Handhabung noch praktischer!

  • #2

    Thomas (Montag, 31 Dezember 2018 16:45)

    Da hast du sicherlich Recht, allerdings hab ich es bisher noch nie vermisst. Ich bin eher gemütlich unterwegs und bin froh, wenn ich nicht mehr schleppen muss als notwendig. Daher auch kein Autowinder bei mir.

    Thomas